RR054 – 100 Jahre Film – 1949 – The Third Man

Und noch ein Film noir, diesmal aus Großbritannien. Der Film spielt allerdings in den Straßen, und der Kanalisation, von Nachkriegs-Wien. Er gilt als einer der großen Klassiker, und darin sehen wir durchaus ein Problem. Warum wir dem dritten Mann dieses Prädikat nicht anerkennen wollen, erfahrt ihr in dieser Folge über den letzten 40er Jahre Film im Marathon.

Originaltitel: The Third Man
Alternative Titel: Der dritte Mann
Veröffentlichungsjahr: 1948
Produktionsland: UK
Länge: 104 min
Regie: Carol Reed
Darsteller: Joseph Cotten (Holly Martins), Alida Valli (Anna Schmidt), Orson Welles (Harry Lime), Trevor Howard (Major Calloway)


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3 Gedanken zu „RR054 – 100 Jahre Film – 1949 – The Third Man

  1. Ahoi!

    Also da kann ich eure Meinung ja (fast) gar nicht teilen. Ein herrlicher Spaß das Ganze. Ich glaube, dass man ihn nicht zu ernst nehmen darf, auch wenn er ein ernstes Thema hat. Der Film nimmt sich ja auch selbst nicht bierernst. Das beginnt schon mit dem ironischen Off-Sprecher zu Beginn, geht dann gleich weiter, wenn Holly Martins unter einer Leiter durchgeht(!) und kurz darauf dieses Hitler-Abbild im Bild auftaucht. Weiter geht’s ja dann gleich mit Paul Hörbigers „Already in hell… or heaven.“

    Dazu kommt, dass die „Hauptfigur“ Holly Martins ja fast ein kompletter Trottel ist, der dieser ganzen Geschichte nicht gewachsen ist. Er schreibt eben keine Hochliteratur, sondern billige Groschenromane („James Joyce. Where would you put him?“) und ist immer wieder überfordert und merkt gar nicht, was um ihn herum passiert, welche Gefahren ihm drohen (z. B. die von euch erwähnte Szene, wenn der Junge sagt „Der war’s.“). In eurem Gespräch kam ja auch der Begriff „Pulp“ mal auf und genau das ist ja etwas, was der Film so extrem aufgreift. Diese im Kern todernste Geschichte über Schmuggel und Mord in der Nachkriegszeit und wird mit – für mich – wunderschönem Humor (die Tiere, die alte Dame in Annas Haus [Moritz Bleibtreus Großtante oder so, wenn ich mich recht entsinne? Bin zu faul, nachzusehen]) und dieser prägnanten Musik. Hier werden doch immer wieder bekannte Versatzstücke des Genres genommen und neu zusammengesetzt. Ich denke da beispielsweise an „Ballon, der Herr?“ bei der Beschattung. Für mich gelingt einfach dieses tolle Spiel zwischen locker-leicht und dann eben (hochklassig inszeniert) sehr ernsten Szenen. Und dementsprechend gibt es dann auch keinen Kiss-Off.

    Ich kann verstehen, dass ihr Probleme mit dem Fehlen einer Identifikationsfigur habt, halte es aber für eines der Anliegen des Films. Alle Charaktere haben ihre Probleme/Schwächen, was sie für mich persönlich so greifbar macht, sie aber eben nicht zu „strahlenden Helden“ werden lässt.

    Die technische Klasse habt ihr ja berechtigterweise gelobt. Ach, mir kommen so viele Bilder in den Sinn, wenn ich nur an den Titel denke (die Finger durchs Abflussgitter, eines der „Titelbilder“ mit der Silhouette im Abwasserkanal, die Ruinen des Nachkriegs-Wiens, etc.).

    Beste Grüße
    Max

    • Hallo Max,

      erst mal Entschuldigung für die späte Antwort, ich hab deinen Kommentar gerade aus dem Spamfilter gefischt. Der war wohl etwas übereifrig.
      Vielen Dank für deinen umfangreichen Kommentar. Ich kann das, was du sagst, zum größten Teil nachvollziehen, nichtsdestotrotz fehlt mir einfach die Spannung in der Geschichte und gerade am Anfang die Nachvollziehbarkeit der Handlung. Wenn Holly anfängt zu ermitteln, obwohl so gar nichts darauf hindeutet, das an der Sache etwas faul sein könnte. Als Trottel würde ich ihn auch nicht unbedingt bezeichnen, höchstens als „gewöhnlich“. Der Film sieht fantastisch aus und hat einige klassische Szenen aber die Geschichte hat mich einfach nicht gefesselt. Selbst wenn er sich nicht vollständig ernst nimmt, ist das für mich ein Manko. Vielleicht ist das Problem auch das er sich nicht entscheiden kann ob er Comedy oder Film Noir sein will. Von einem Film mit einer derartigen Handlung hätte ich einfach erwartet, dass er mich in einen Strudel aus Spannung und Nervenkitzel reißt. Als positive Beispiele seien hier Vertigo, North by Northwest oder Double Indemnity genannt.

  2. Ahoi Wolfgang!

    Wir (Wiederaufführung) werden uns den Film Ende August im Kino anschauen und dann besprechen. Ich werde mal versuchen, einige eurer/deiner Punkte da dann mit aufzugreifen.

    Grüße
    Max

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